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Einführungsrede des LGIPA-Präsidenten Dr. Lucien Nicolay

14. 11. 29
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INSTITUT FIR PSYCHOLOGESCH GESONDHEETSFÖRDERUNG/BERTRANGE

 

20 Jahre LGIPA 1988-2008 Zum Festvortrag von Prof. Dr. PRITZ am 25. April 2008 in Bartringen

 

Einführungsrede des LGIPA-Präsidenten Dr. Lucien Nicolay

 

Vor 20 Jahren, am 20. April 1988 wurde die LGIPA in Luxemburg als a.s.b.l. eingetragen. Die klassische Individualpsychologie kann in Abhebung zu Freuds Psychoanalyse umschrieben werden als ganzheitliche sozio-teleologische Tiefenpsychologie. Trotz intra- und interpersoneller Spannungen oder Konflikte realisiert jeder Mensch als zielstrebige Einheit im sozialen System seinen persönlichen Lebensstil, dessen Psychodynamik ihm jedoch nicht bewusst ist. Dieser Lebensstil, der sich in kreativer Auseinandersetzung mit Umfeld und Veranlagung herausgebildet hat, kann sich früher oder später als dysfunktional erweisen, also der Person selbst oder anderen Menschen schaden oder bei sich und anderen zu Leidenszuständen führen, so dass seine ungünstigen Motivational-intentionale Schemata, Erlebens- und Verhaltensschemata mit psychotherapeutischer Hilfe korrigiert werden müssen.      

 

Die LGIP nom Alfred ADLER ist aber keineswegs eine fundamentalistische Gesellschaft oder ein Kreis verschworener Adler-Anhänger. Genauso wenig wie Adler ein Religionsgründer war, so wenig ist auch seine Individualpsychologie ein Glaubenssystem. Adler selbst hat immer wieder betont, dass die Wahrheit nicht von dieser Welt sei, dass es aber durchaus sinnvolle und nützliche Axiome oder Fiktionen gibt. Sein humanistisches Menschenbild geht von der Gleichwertigkeit – obwohl nicht Gleichfähigkeit - aller Menschen (sozialpolitisch: Demokratie) aus sowie dem bei jedem Menschen angelegten Gemeinschaftsgefühl sub specie aeternitatis (nachhaltige emotionale Intelligenz, nachhaltiges soziales Interesse; sozialpolitisch: Solidarität), das diese dazu bewegt ihren Beitrag zum Ganzen zu leisten und dafür auch Anerkennung zu erwarten und im Idealfall auch zu erhalten.

 

Da viele adlerianische Ideen und Konzepte von der akademischen Psychologie bestätigt und von anderen psychotherapeutischen Schulen übernommen wurden, wird Adler von uns gerne als Vater der modernen oder wissenschaftlichen Psychotherapie angesehen. Freud wäre dann eben der Großvater, der von Adler als Erstem fachlich kritisiert wurde! Die Weiterentwicklung der IP geschah nach dem zweiten Weltkrieg in zwei Richtungen, die heute wieder weitestgehend integriert sind, eine sozio-teleologisch-verhaltenstherapeutische und eine psychodynamisch-psychoanalytische. Mosak und Maniacci sprechen deshalb 1999 von der Analytic-Behavioral-Cognitive Psychology of Alfred Adler. Die LGIPA-Ausbildungsgänge tragen beiden Schwerpunkten der weiterentwickelten IP Rechnung.

 

Neben den störungsübergreifenden Theorien und Methoden der wichtigsten Therapieschulen werden zudem störungsspezifische Verfahren gelehrt und erlernt, die vor allem aus modernen analytischen oder verhaltenstherapeutischen Schulen stammen. Auf dieser Basis können in der Praxis differenzielle Interventionen geplant werden. Individuelle Fallkonzeptionen erlauben heute das Denken in Wirkfaktoren oder psychotherapeutischen Prinzipien und eine methodische  Integration auf mittlerer Ebene. Es reicht nicht mehr, sich nur eine Methode anzueignen und die dann auf jeden Patienten, mit egal welcher Persönlichkeit, Störung oder Störungskombination, anzuwenden. Es reicht nicht, wenn ein Psychotherapeut über die gesamte Therapie nur ein Prinzip appliziert ohne dessen Wirksamkeit zu überprüfen und gegebenenfalls die Methode anzupassen oder zu wechseln. Ebenso uneffizient wäre es aber auch, wenn ein Therapeut für den jeweiligen Patienten in jeder Sitzung einen anderen Therapietechnikenmix anbieten würde.

 

Professionelle Psychotherapie stützt sich heute auf empirisch fundierte Konzepte, eine solide kontrollierte Ausbildung, die Anwendung von Methoden mit nachgewiesener Wirksamkeit und eine laufende Qualitätssicherung. Rund 65% der Patienten zeigen dann einen deutlichen Erfolg und 50% liegen nach der Psychotherapie im psychopathologisch unauffälligen Bereich. Psychotherapie zeigt viermal bessere Remissionsraten als Spontanremission und zweimal bessere als Placebo. 40% der Ergebnisvarianz von Psychotherapie kann anhand von Patientenmerkmalen geklärt werden, deren Auswirkungen wiederum stark von der Verfügbarkeit eines geeigneten Vorgehens und des Sich-Einstellens des Therapeuten abhängen. Die Qualität der therapeutischen Beziehung erlaubt die robusteste Vorhersage des Therapieerfolgs! (Quelle: Caspar, Herpertz, Mundt; 2008).

 

Mit Einzel- oder Gruppen-Psychotherapie werden heute aber nicht nur psychische Störungen behandelt, sondern auch die psychischen Folgen von somatischen, besonders chronischen Krankheiten sowie Schmerzen. Erwähnen muss man auch, dass psychische Störungen nicht nur psychotherapeutisch behandelt werden, sondern auch medikamentös vom  Arzt.

 

Der heutige Abend ist aber exklusiv der Psychotherapie gewidmet. Gleich wird Prof. Dr. Pritz, der mit Vornamen ebenfalls Alfred - wie der alte Adler – heißt, aber Gründungsmitglied und Rektor der Sigmund Freud-Privatuniversität in Wien ist, uns in die Zukunft der Psychotherapie in einer globalisierten Welt führen.

 

Er hat wie kein anderer den Überblick, denn er ist sowohl Generalsekretär des Europäischen Verbands für Psychotherapie, dem die LGIPA angehört, als auch Präsident des Weltrats für Psychotherapie. Die europäischen und mondialen Zertifikate tragen seine Unterschrift. Dr. Pritz arbeitet nicht nur als Universitätsprofessor (SFU) und Lehranalytiker, sondern er war bis vor drei Jahren noch als Psychotherapeut am Ambulatorium für Psychotherapie der Wiener Gebietskrankenkasse tätig und das seit 1977! Heute leitet er das Ambulatorium der SFU, das,  wie das IPG der LGIPA, zugleich Praxis-, Ausbildungs- und Forschungsstelle ist. Seine Psychotherapieausbildungen hat er in Österreich und den USA absolviert. Seit 1978 hat er Lehr- und Forschungsaufträge in Österreich und im Ausland, - darunter auch rezente Eu-Projekte; seit 1993 entwickelt und leitet er Ausbildungsprojekte oder organisiert Weltkongresse für Psychotherapie. Ab 1985 arbeitet er als nationaler und internationaler Experte in Sachen Psychotherapie, Ausbildungs- und Zertifizierungsstandards. Das bereits 1990 gestimmte österreichische Psychotherapiegesetz trägt seine Handschrift. Von den zahlreichen Veröffentlichungen und Studien seit 1984 sei auf die rezenteren verwiesen, die der Referent des heutigen Abends ab 2000 herausgegeben oder mitherausgegeben hat: Wörterbuch der Psychotherapie, (Springer), Mediation in Österreich (Orac), Gruppenpsychoanalyse (Facultas), Globalized Psychotherapy (Facultas), Das psychotherapeutische Gutachten (Orac Lexis Nexis), Persönlichkeitslexikon der Psychotherapie (Springer) und, ganz rezent und absolut lesenswert: Einhundert Meisterwerke der Psychotherapie (Springer)!  

 

Dr. Lucien NICOLAY

Präsident der LGIPA a.s.b.l.

 

Institut fir Psychologesch Gesondheetsfërderong; www.ipg.lu / www.lgipa.lu
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