Geschichte

14. 11. 29
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1. Zur Individual Psychologie

 

Die von Alfred Adler (klicken auf sein Porträt für Biografie) gegründete Individualpsychologie ist eine der bedeutendsten tiefenpsychologischen oder psychodynamischen Schulen und ist aus dem Disput mit der Freudianischen Psychoanalyse hervorgegangen. Sie kann nicht nur als Katalysator einer Erneuerten Psychoanalyse sowie als Vorläufer der Humanistischen Psychologie angesehen werden, sondern hat sich selbst auch weiterentwickelt und ausdifferenziert. Adler hat viele Thesen aufgestellt, die erst in den letzten Jahrzehnten von der akademischen Psychologie und Therapieforschung bestätigt werden konnten. Die Individualpsychologie (Psychologie des un-teilbaren Wesens, In-dividuums) geht von einem ganzheitlichen Verständnis des zielstrebigen Menschen mit seinen unbewussten und bewussten Erlebnis- und Handlungsweisen aus. Das Individuum lebt aber innerhalb einer sozialen Gemeinschaft, auf die es permanent im Erleben und Handeln bezogen ist; in Interaktion mit den Mitgliedern dieser Gemeinschaft und auf der Grundlage seiner genetischen und biologischen Möglichkeiten baut das Individuum sehr früh schon und in kreativer Weise seine einzigartige Persönlichkeit auf. Je nachdem wie diese Persönlichkeitskonstruktion – Adler spricht von Lebensstil - ausgefallen ist, fällt es dem Individuum leichter oder schwerer, auf der Welt zu sein, diese mitzugestalten und seine Werte, Ideale und Ziele zu verwirklichen.

 

Die individualpsychologischen Theorien und Methoden ermöglichen es, dem Menschen Hilfestellungen bei seiner Selbstverwirklichung zu geben. Die Anwendungsbereiche erstrecken sich von der Erziehung und Prävention, über Beratung und Erwachsenenbildung bis hin zu Psychotherapie/Psychoanalyse und Supervision. Heute stehen den Individualpsychologen ein großes Repertoire von Interventionsmethoden zur Verfügung, die optimal auf die Situation des Einzelnen in seinem Beziehungsfeld, seine Problematik oder Störung sowie seine Persönlichkeit wirken können.

 

50 Jahre nach dem Tode des Begründers der Freien Psychoanalyse und Vergleichenden Individualpsychologie haben Fari Khabirpour und Lucien Nicolay beschlossen ihre jeweiligen Ausbildungsaktivitäten zu bündeln und einen Verein zu gründen mit dem Ziel, das Gedankengut Alfred Adlers, dem Vater der modernen Psychotherapie, in Luxemburg bei Laien und Fachleuten zu verbreiten und weiter zu entwickeln.

 

 2. Zur Geschichte der LGIPA

 

Am 28. Oktober 1987 hat sich die „Lëtzebuerger Gesellschaft fir Individualpsychologie“ im Anschluss an ein breit angelegtes kostenfreies Fortbildungsangebot für pädagogische und soziale Berufe konstituiert. Die Seminare fanden in den Räumen der „Entente des Foyers de Jour“ statt, deren verantwortlicher Leiter damals der Dipl. Psychologe Fari Khabirpour war und kannten einen immensen Erfolg.

 

Prof. Dr. Lucy Ackerknecht bot eine Einführung in die Theorie und Praxis der Individualpsychologie, Prof. Lucien Nicolay sprach über die Grundlagen der individualpsychologischen Psychoanalyse und Psych. Fari Khabirpour über die der individualpsychologischen Psychopädagogik. Daneben wurden Themen der Zeit angeboten; so sprach der Psychologe und Pädagoge Helmut Gehle über die Bewältigung einer nuklearen Bedrohung und die Musikpädagogin Marianne Wiltgen über die frühe Mutter-Kind-Beziehung. (Erik Blumenthals Seminar über Paarprobleme musste um einige Wochen verschoben werden.)

 

Auf der Gründungsversammlung selbst gab es drei Referate: Sonja Helten skizzierte Adlers Lebenslauf und Persönlichkeit, Lucien Nicolay stellte die Evolution der individualpsychologischen Ausbildungen in Europa seit 1954 dar und Fari Khabirpour stellte die Ziele und Aufgaben der LGIPA vor.

 

Der erste Vorstand setzte sich aus neun Personen zusammen: Pierre Becker, Helmut Gehle, Annette Jackmuth, Marianne Jacobi, Sonja Helten, Rosi Huvig, Fari Khabirpour, Lucien Nicolay und Marianne Wiltgen. Insgesamt gab es 33 Gründungsmitglieder. Die Zahl stieg, zumindest auf dem Papier bis auf 180 in- und ausländische Mitglieder, um dann wieder auf 50-60 abzusinken. Die ersten Luxemburger Lehranalytiker wurden von den beiden Individualpsychologen ausgebildet, die Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre auch der Individualpsychologie in der Bundesrepublik wieder zum Aufschwung verholfen haben, nämlich Erik Blumenthal und Lucy Ackerknecht.

 

Eingetragen als A.s.b.l.wurde der Verein am 20. April 1988. Im Dezember 1987 erschien zum ersten Mal die Zeitung IP-Forum, die sich in den darauf folgenden Jahren zur Zeitschrift resp. zum Jahrbuch entwickelt hat. Wahrscheinlich geht der Wandel nun in Richtung „on-line“-Zeitung IP-FORUM.

 

Die LGIPA bot in den darauffolgenden Jahren eine hierarchisch aufgebaute Ausbildung an; die Stufen (A-E) der Ausbildung waren: Grundausbildung (200 Stunden), Educateur psychosocial (SLPA), Conseiller psychosocial (SLPA), Psychothérapeute (SLPA) oder Psychothérapeute pour enfants et adolescents (SLPA) und Psychanalyste (SLPA). Die Abschlusszertifikate trugen der vorherigen beruflichen Qualifikation der Absolventen Rechnung.

 

Unterstützt wurde die LGIPA bei der Ausbildung auch durch ausländische KollegInnen, die in der Ausbildung von Luxemburger Individualpsychologen durch Wochenend- und Intensivseminare mithalfen, wie z.B. (in alphabetischer Reihenfolge): Prof. Dr. Lucy K. Ackerknecht (USA), Dr. Ralf Biehle (D), Erik Blumenthal (CH), Prof. Dr. Wilfried Datler (AU), Dorothea Ewert (D), Dr. K.-H. Hay (D), Dr. German Höcher (D), , Prof. Dr. Ludwig Pongratz (D), Dr. Michael Titze (D) und Dr. Jürg Rüedi (CH).

 

Seit ihrer Gründung hat die Gesellschaft neben jährlichen Vorträgen, Seminaren, Gruppen für Laien (Schwerpunkte: Psychohygiene in der Familie, Prävention von seelischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen, familiäre Erziehung sowie Frauenförderung), bislang fünf Lehrgänge (bis 2000/2001) für angehende Psychosoziale Berater oder Psychotherapeuten und Psychoanalytiker angeboten. Auch deutschsprachige Fachleute haben ihre Ausbildung zum Teil bei der LGIPA absolviert und haben anschließend ihre Psychotherapeuten-Approbation im Heimatland bekommen. Die LGIPA- Ausbildungszertifikate werden von befreundeten Instituten und Gesellschaften anerkannt.

 

Zum zehnjährigen Bestehen überdachte die LGIPA ihre Ausbildung und hat sie an den internationalen Forschungsstand angepasst. Heute bietet die LGIPA methodenintegrativ ausgerichtete Studiengänge auf der Basis akademisch- psychologischer Forschungsergebnisse an. So wird zum Beispiel in der Therapeutenausbildung die psychodynamische Ausrichtung ergänzt durch die Selbstmanagementtherapie (VT/KVT). Die klassisch-psychoanalytische Vorgehensweise ist dem letzten darauf aufbauenden Studiengang vorbehalten. Die Ausbildung wird also immer wieder angepasst und auf den letzten Stand gebracht. Studiengänge.

 

Ende 1999 wurde die LGIPA in die Internationale Vereinigung für Individualpsychologie aufgenommen.

 

Auskünfte über LGIPA-Aktivitäten ab 2000 sind zu finden unter Veranstaltungen und Jahresberichte. 

 

L.N. (November 2000)