Glück und Gesundheit

14. 12. 03
posted by: LGIPA Administrator
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Table Ronde und Ausstellung zum 20. Gründungsjubiläum  der LGIPA a.s.b.l. in Bartringen

 

Mit einem Rundtischgespräch über „Glück und Gesundheit“ leitete die „Lëtzebuerger Gesellschaft fir Individualpsychologie“ LGIPA vor kurzem ihre Aktionswoche anlässlich ihres zwanzigsten Gründungstages (28. Oktober 1987) ein. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Dipl. Psychologin Doris Zangerlé, die ins Thema einführte und ihre Gäste mit deren Thesen vorstellte.

 

Dipl. Psychologe und Pädagoge Helmut Gehle, Direktor des „Institut fir Psychologesch Gesondheetsfërderong“ der LGIPA in Bartringen belegte anhand von faszinierenden Untersuchungen die Bedingungen, unter denen das menschliche Gehirn Glück empfindet, differenzierte und widerlegte die gängigen Annahmen zum Verhältnis von Glück, Gesundheit und materiellem Wohlstand (Wer viel verdient ist glücklicher oder weiß nicht, wo er richtig einkauft?!) und erstaunte damit, dass Menschen sich als unglaublich resistent erweisen, was Veränderungen ihres Glücksempfindens anbelangt (Unfallopfer vs. Lottogewinner). Glück und Gesundheit der Population unterscheiden sich je nach Land in Abhängigkeit von den Faktoren Lebensstandard, körperliche Gesundheit, Ausbildung, Vielfalt und Widerstandsfähigkeit des Ökosystems, Vielfalt und Vitalität des kulturellen Lebens, Nutzen und Balance von Lebenszeit, gute Regierungsführung, Vitalität des Gemeinschaftslebens sowie psychologisches Wohlbefinden. Gehles Fazit lautet: „Es sind die Menschen, die die Menschen glücklich machen, nicht die Dinge. Investieren Sie in Erlebnisse, nicht in Sachen! Suchen Sie sich also nette Menschen mit denen Sie zusammen etwas entdecken und lernen können, mit denen Sie zusammen Musik hören und tanzen können, und lernen Sie zum Beispiel mit anderen gemeinsam Individualpsychologie!“

 

Der Präsident und Lehranalytiker Dr. Lucien Nicolay sieht Glück und Unglück, Gesundheit und Krankheit immer als Resultat einer Wechselwirkung zwischen Mensch-Umwelt-Relation einerseits sowie Körper-Seele-Relation andererseits. Au dieser Basis hinterfragt er, ob Glück ohne Gesundheit möglich ist oder Gesundheit ohne Glück. Macht extremes Gesundheitsbestreben (Gesundheitswahn) glücklich oder krank? Ist Gesundheit tatsächlich das Erstrebenswerteste und Höchste im Leben? Der Zustand vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens wäre das Paradies auf Erden, eine Utopie oder eine Fiktion, vielleicht aber eine nützliche im Sinne von bestmöglicher Gesundheit für alle Menschen dieser Erde! Dem ist aber zurzeit nicht so: Vielmehr gehören Leid und Leiden zum menschlichen Leben dazu! Bei jedem zweiten Menschen gehört die persönliche Auseinandersetzung mit Suizid zum Leben dazu, eine Möglichkeit, die nur der Mensch hat! Man spricht in diesem Zusammenhang von destruktiver Normalität, die von allen Religionen erkannt wurde und für die sie Überwindungswege anbieten. Dr. Nicolay ging auch kurz auf die Bedeutung der Symbolisierung und der Versprachlichung in Bezug zum relativen Leiden ein (daran lässt sich gut arbeiten) und unterstrich, dass das menschliche Nervensystem sich nur in eine gleiche Richtung bewegt, so dass Erfahrungen immer addiert werden und niemals subtrahiert werden können! Aber das Leben bestehe im Überwinden von Schwierigkeiten. Nicolay’s Fazit: (1) Seelisch gesund leben heißt nicht, ohne inneres Leiden sein, sondern lernen, negative Momente zu haben und trotzdem wirksam zu leben. Akzeptiere also deine Reaktion und bleib präsent! (2) Negative Erfahrungen stellen einen unvermeidbaren Teil des Lebendig-Seins dar. Du kannst aber eine sinnvolle Richtung für dein Leben wählen! (3) Wer sein Leben im Griff hat, braucht seine Reaktionen oder Gefühle nicht zu kontrollieren oder zu vermeiden. Stell dich den Erfahrungen des Lebens bereitwillig, handle engagiert, um erreichbare wertbezogene Ziele zu erreichen! So schaffst du dir positive Erfahrungen! (4) Interagieren heißt immer auch, sich ausliefern (den möglichen Bewertungen des/der Anderen) und ist unvermeidbar. Öffne dich Vertrauenspersonen gegenüber und tausch mit ihnen Gedanken und Gefühle aus, auch negative. Du wirst dann als Mitmensch wahrgenommen.

 

Aus Sicht der individualpsychologischen Beraterin Christiane Keller, die auch buddhistische Philosophie und Psychologie studiert hat, setzte Adler seelische Gesundheit in Verbindung mit der „Logik des menschlichen Zusammenlebens“ und individuell mit dem „Gemeinschaftsgefühl“. Das gesamte psychische Leben bewegt sich zwischen den Polen Freiheit und Verantwortung. Im Idealfall leistet der Einzelne seinen Beitrag zur Gemeinschaft und diese zollt ihm dafür Anerkennung. Ob wir glücklich oder unglücklich sind, hängt zumindest zum Teil von unserer Sicht oder Bewertung der Dinge ab. Auch aus buddhistischer Sicht entsteht Leiden statt Glück dann, wenn wir nicht in Harmonie mit uns selbst und der Welt sind; wenn unsere Konzepte und Emotionen uns auf einen bestimmten Typus von Realität festlegen, fixieren. Definieren wir uns selbst und andere nur über unsere Konzepte oder über soziale Identifikationen kann das auf psychischer Ebene zu Problemen führen und eine Quelle zum Unglücklich- sein darstellen. Meditative Techniken können den Kontakt zu unserem Innenleben herstellen und darüber hinaus eine Veränderung des Erlebens in Richtung natürliche Verbundenheit mit anderen und dem übergeordneten Ganzen herstellen, in das wir uns eingebettet fühlen können.

 

Dr. Fari Khabirpour, Mitbegründer und Ehrenpräsident der LGIPA, gab über persönliche Beispiele zu verstehen, was Glück im Moment oder im Lebenslauf bedeuten kann und setzte Glück und Gesundheit in Verbindung mit den fundamentalen Bedürfnissen und Bestrebungen des Menschen, wie sie Adler,  Dreikurs sowie viele andere Psychologen und Philosophen formuliert haben. Er betonte ebenfalls die spirituelle Dimension des Glücks. Freiheit und Verantwortung ist aber auch für ihn ein Thema, das eine universelle Dimension hat, derart,  dass der Einzelne nicht nur für seine eigene Gesundheit und sein eigenes Glück sorgen soll, sondern auch seinen Beitrag zu dem der anderen jetzt und über die nächsten Generationen hinweg. Auch von Ökonomen, wie Manfred Max-Neef, der den Menschen in den Mittelpunkt rückt, wurde dies erkannt: Die Lebensqualität der Menschen kann sich nur verbessern, wenn es dem Menschen möglich ist, seine Grundbedürfnisse adäquat zu befriedigen. Nicht die Bedürfnisse ändern, sondern das, was wir haben und was wir machen, die Initiativen, die wir ergreifen, um sie zu befriedigen. Was sich ändert sind nur die Befriedigungsmittel! 

 

Für reichlich Diskussionsstoff im voll besetzten Saal sorgte die erste sich anschließende Frage der Moderatorin, ob und inwieweit das Luxemburger Land es denn nun seinen Bürgern ermöglichen würde gesund und glücklich zu leben.

 

Anschließend wurde die Ausstellung „PSY-WELTEN“ im Erdgeschoss der renovierten Schauwenburg im Zentrum von Bartringen eröffnet. Helmut Gehle, Kurator der Ausstellung stellte, nach einer Einführung zum Thema Kunst, Psychologie und Therapie nicht nur die Themen der Ausstellung vor, sondern vor allem die 11 Künstler, die ausgewählte Werke spontan und unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben: Die Damen Michèle Kayser, Rebecca Bissen, Jacqueline Damit, Gaby Schank, Hilly Kessler, Nitzan Livneh, Josiane Nothum, Nilla Wolter sowie die Herren John Goldschmit, Edouard Neuser und François Nelissen. Die Ausstellung war bis Sonntag, den 28. Oktober 2008, jeweils von 10:00 bis 21:00 Uhr zu besichtigen. Im Obergeschoss fanden täglich zusätzliche Veranstaltungen zur Gesundheitsförderung statt.