Institut fir Psychologesch Gesondheetsförderung - IPG -

14. 12. 03
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zu Bartréng („Beim Schlass“ ab 2004)

 

Aus salutogenetischer Sicht (vgl. Antonovsky-Konzept) heraus ist das zentrale Ziel gesundheitlicher Präventionsprogramme eine Risikoprophylaxe durch Ressourcenentwicklung. Ressourcen stärken Gesundheit, verhindern oder verzögern Krankheiten (einschl. seel. Störungen) und stellen angesichts von Krankheiten Bewältigungsmöglichkeiten bereit, die Rückfälle und Folgeschäden vermeiden und die Erhaltung von Lebensqualität ermöglichen. Psychologische  Präventionsprogramme bestehen im Wesentlichen aus drei Elementen: (1) Wissensvermittlung (Psychoedukation; z.B. Risiko- und Ressourcen- kommunikation), (2) Beeinflussung von Einstellungen (Eigenverantwortung, Kompetenzüberzeugungen, Motivation zu protektivem Verhalten) und (3) Verhaltenseinübung (Verhaltensanalyse, Kompetenzförderung, Selbst- und Verhaltensregulation), damit sich die Erlebens- und Verhaltensgewohnheiten ändern und langfristig neue Erlebensmuster und Verhaltensstile aufgebaut werden. Die gesundheitspsychologische Forschung hat zur Entwicklung einer Vielzahl von Präventionsprogrammen geführt, deren Wirkungen gut evaluiert sind.

 

Nach Gordon (1983) ist Prävention in die universelle, die selektive und die indizierte Prävention zu unterteilen. Nach seiner Risiko-Nutzen-Abwägung (Risk-Benefit-Modell) stellt die universelle Prävention ein Vorgehen dar, das für die gesamte Bevölkerung nützlich ist, es kann oft ohne Professionelle ausgeführt werden (Bsp. Sicherheitsgurte tragen, Kondome benutzen), und das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist in jedem Fall eindeutig positiv. Die selektive Prävention richtet sich an Gruppen mit überdurchschnittlichem Risiko, zum Beispiel definiert nach dem Alter oder dem Geschlecht (Grippenimpfung für Ältere; Mammographie, Prostatauntersuchung). Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist hier nicht so eindeutig positiv wie bei der universellen Prävention, rechtfertigt jedoch die Präventionsstrategie. Die indizierte Prävention richtet sich an Personen mit überdurchschnittlichem  oder eindeutigem Risiko. Eindeutiges Risiko ist z.B. definiert durch die Symptome einer Erkrankung, durch subklinische Manifestationen oder durch ein erhöhtes hereditäres Risiko (z.B. Bluthochdruckkontrolle, Entfernung von Darmpolypen als Krebsvorsorge). In solchen Fällen sind die Kosten-Nutzen individuell abzuwägen. Sowie diese  Maßnahmen aus medizinischer Sicht indiziert sind, so gibt es auch hinsichtlich psychischer Störungen und psychischer Begleitstörungen bei körperlichen Erkrankungen klinisch-psychologische Indikationen für effiziente Gruppen- und Einzelinterventionen. Die Gruppen sind natürlich was die Kosten-Nutzen-Rechnung anbelangt insgesamt vorteilhafter und Einzelsitzungen sind speziell zu motivieren.

 

Öffentliche Gesundheit (Santé publique), von staatlich-ministerieller Seite sowohl erforscht als auch gefördert, und klinische Gesundheitspsychologie, in Forschung, Lehre und Praxis von der LGIPA vollzogen, können komplementär oder integrativ zueinander positioniert werden. Eine Aufgabenteilung im Bereich der Praxis könnte der Öffentlichen Gesundheit vielleicht eher organisatorisch-umweltbezogene und institutionell-gesellschaftliche Themen zuschreiben und dem Institut für Psychologische Gesundheitsförderung (IPG) der LGIPA eher personenbezogene und interpersonelle Themen. Beiden Maßnahmenträgern, dem Gesundheitsministerium und dem IPG ist in (Forschung und Praxis) daran gelegen, herauszufinden und zu fördern, was Menschen individuell und kollektiv tun und tun könn(t)en, um gesund zu sein, zu bleiben, um gesund / gesünder zu werden, und zwar als Individuum und als Gesellschaft.

 

Im Bereich der angewandten Gesundheitspsychologie und klinisch-psychologischen Therapie will die LGIPA am IPG ganz konkret  allgemeinpräventive, spezifisch-präventive und störungsspezifische Gruppenprogramme anbieten.

 

Folgende Angebote basieren darauf, dass alle Menschen prinzipiell danach streben, ihr Entwicklungspotenzial maximal zu entfalten und gleichzeitig unvermeidliche Einschränkungen so gering wie möglich zu halten. Erfolgreiche Entwicklung ist mit den Prozessen des SOK-Modells der Selektion (Richtung wählen), der Optimierung (adäquate Mittel erwerben)  und der Kompensation (evt. Ressourcendefizite ausgleichen) zu beschreiben. Auch im Bereich der Gesundheit können Menschen sich Ziele setzen und sie verfolgen. Allerdings wird Gesundheit erst dann bewusst zu einem handlungsrelevanten Ziel, wenn sie in irgendeiner Form bedroht ist (Bsp. für Jüngere: Attraktivität & Fitness => Sport. Bsp. für Ältere: Gesundheit => Sport). Allerdings müssen die verschiedenen Ziele einer Person miteinander harmonieren; die bewusst ausgewählten Ziele dürfen anderen (latenten?) Zielen der Person nicht zuwiderlaufen. Wenn die gesetzten Ziele erreicht werden, wirkt sich dies wiederum positiv auf das Wohlbefinden aus.

 

Für Erwerbstätige sowie für Hausfrauen und Hausmänner:

  • „Seele & Gesundheit“ (Stressprävention/-verarbeitung, Entspannungs-verfahren; Basiskurs- und Aufbaukurse. Diese Veranstaltungen laufen seit zwei Jahren mit großem Erfolg in Luxemburg und Ettelbrück beim Planning Familial)

 

Die folgenden Veranstaltungen werden anlaufen, sobald die Räumlichkeiten in Bartringen bezugsfertig sind (ab 2004):

  • „Heilsame Gefühle“ (Übungen zum Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Begegnungen, Sexualität, Aggression, Spiritualität & Identität)
  • „Mensch ärgere dich nicht!“ (Umgang mit Ärger und Frustration; kognitiv-behaviorale Bewältigungstechniken)
  • „Erkenne dich selbst“ (Biografische Selbsterfahrung als Basis für selbst-bewusste Lebensplanung und -gestaltung; Basisprogramm und themenbezogene Programme)
  • „Die Hölle sind die Anderen“ (Friedlich-konstruktives zusammen arbeiten und sich trotzdem durchsetzen lernen; Konfliktmanagement, Teamarbeit)
  • „Der Erfolg gehört den Mutigen!“ (Ermutigungstraining für alle Lebenslagen)

 

Für alleinstehende Erwachsene:

  • „Ich und einsam!“ (Einsamkeitsbewältigung)

 

Für Jugendliche mit Symptombelastung (ab 12):

  • „Ich bin cool und bleibe locker“ (Stressprävention/-verarbeitung; Entspannungsverfahren, Selbstsicherheit)
  • „Ich trau mich nicht!“ (Gruppenprogramm für sozial-unsichere und ängstliche Jugendliche)
  • „Ich lass mir nichts gefallen!“ (Gruppenprogramm für schwierige und aggressive Jugendliche)
  • „Ich hab sowieso keine Chance!“ (Ermutigungsprogramm für demotivierte junge Menschen in Schule und Arbeitswelt)
  • „Bin ich denn verrückt?“ (Monatliche Aufklärung über seelische Störungen, Persönlichkeitsstile und -Störungen, Traumafolgen, ...)

 

Störungsspezifische und geschlechtsspezifische Gruppen für Erwachsene und bei Bedarf für Jugendliche ab 16 Jahren (Individuelle Risikobeurteilung und/oder Klinische Differenzialdiagnostik ist Pflicht vor der Aufnahme):

 

Prävention, Behandlung, Rückfallprophylaxe bei unterschiedlichen Störungsbildern wie Angststörungen,  Depressionen, Zwangsstörungen, Schizophrenie, Substanzabhängigkeit, Belastungsstörungen, usw.

 

Gruppenberatung für Angehörige von Personen mit seelischen Störungen & Gruppenberatung für Menschen mit chronischen Krankheiten und deren Partner oder Familie

 

(L.N., Oktober 2002)