Kurzbiografie des Begründers der Individualpsychologie

14. 11. 29
posted by: LGIPA Administrator
Hits: 2559

Alfred Adler wurde am 7. Februar 1870 in dem Wiener Vorort Pensing  als zweiter von sechs Kindern geboren. Sein Vater Leopold, ein Getreidehändler und seine Mutter Pauline Beer waren jüdischer Herkunft und Tradition, aber ohne darunter je gelitten zu haben.

 

Alfred Adler war eher ein gesundheitlich schwächliches Kind, er litt unter Kehlkopfspasmen, die er lernen musste zu kontrollieren, um nicht zu ersticken und unter Rachitis. Demzufolge dauerte es einige Jahre, bis er mit seinen Alterskameraden auf den unbebauten Flächen der Gegend herumtollen konnte. Sein jüngerer Bruder starb neben ihm und er selbst hatte Schwierigkeiten sich von einer gefährlichen Lungenentzündung zu erholen. Diese Umstände könnten in ihm den Wunsch erweckt haben, als Arzt für das Leben zu kämpfen. Da Adler  durch sein vieles Fehlen einen Rückstand in Mathematik aufwies, riet ihm der Lehrer zu einem Handwerksberuf. Alfred Adler, der sich vor allem durch seinen Vater unterstützt fühlte, arbeitete aber fleißig, um den Rückstand aufzuholen und überraschte Lehrer und Kameraden in der Folge mit außergewöhnlichen Leistungen in Mathematik.

 

Trotz ökonomischer Schwierigkeiten der Familie, konnte Alfred Adler am 22. November 1895 sein Doktorat in Medizin ablegen. Während seiner Ausbildungszeit hatte er sich aber zusätzlich für Gesang, Literatur und Philosophie interessiert und er hatte eine große klinische Erfahrung gesammelt, weil er zum Teil auch unentgeltlich in Allgemeinmedizin und Augenheilkunde praktiziert hat. Adler stand bald auch die Sozialmedizin sehr nahe.

 

Am 28. September 1897 heiratete er Raïssa Epstein, eine recht unabhängige russische Studentin, die, wie viele russischen Mädchen, im Westen ihr Universitätsstudium absolvierte. Die beiden haben sich wahrscheinlich während sozialistischer Treffen in Wien kennen gelernt. Ihre älteste Tochter Valentine Dina wurde 1898 geboren, dann kamen 1901 Alexandra und 1905 Kurt auf die Welt – beide praktizierten später als Psychiater in New York – sowie 1909 noch Cornelia (Nelly). Ihr Vater arbeitete neben seiner Praxis zu der Zeit auch noch für eine medizinische Wiener Zeitschrift.

 

Um die Jahrhundertwende, Zeit der Unsicherheit und des Umbruchs, wurden Ärzte immer häufiger zu Personen mit „schwachen Nerven“ gerufen. Freud war damals auch schon bekannt wegen der Veröffentlichung seines Buches „Traumdeutung“, das Adler positiv rezensiert hat. So wurde Adler eingeladen, an dem wöchentlichen Diskussionskreis der Freud-Anhänger teilzunehmen. Er wurde sogar Präsident der späteren psychoanalytischen Vereinigung bis es 1911 zum Bruch mit Freud kam. Auf dem Nürnberger Kongress hatte Adler nämlich die Freudsche Sexualthese kritisiert, was den Begründer der Psychoanalyse sehr getroffen und verärgert hat. Adler gründete alsdann den Verein für Freie Psychoanalyse, später Verein für Vergleichende Individualpsychologie genannt. Mit seinen Freunden gab er sein erstes Gegenwerk „Heilen und Bilden“ heraus, in dem Vaihingers (Neo-Kantianer) Begriff des „Als ob“ und die Idee der Fiktion eine große Rolle spielt. (Heute spricht man von Konstruktivismus und Konstruktionismus.)

 

Auch der erste Weltkrieg hat Adler geprägt, z.B. in der Begriffsbildung wovon Begriffe wie   „Lebensfront“, „Nebenkriegsschauplatz“ u.a. zeugen. Vor allem aber forderte Adler eine Prävention von Krieg und Gewalt durch Erziehung. Kinder sollen gewaltfrei aufwachsen und zur Kooperation in Familie und Gemeinschaft ermutigt werden. Adler führt die ersten Erziehungsberatungen in Wien durch, lehrt die angehenden Lehrer und bildet Individualpsychologen aus.

 

Durch seine Ernennung zum Professor (1924) an dem Pädagogischen Institut in Wien beeinflusste er viele Pädagogen. Innerhalb weniger Jahre wurden individualpsychologische Erziehungsberatungsstellen in Wien und in Deutschland (München, Berlin) gegründet. Seine Schüler Spiel, Birnbaum und Scharmer gründeten sogar eine individualpsychologische Versuchsschule in Wien.

 

Adler leitete bis zu seiner endgültigen Übersiedlung nach Amerika auch noch als „Nervenarzt“ eine klinische Ambulanz in Wien.

 

Adler überzeugte mit seiner Individualpsychologie aber nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch in Frankreich (Sorbonne) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (Columbia University in New York, Long Island Medical College). Erst 1934 lässt er sich definitiv in den USA nieder. Während seiner letzten Europa-Reise, die ihn nach Frankreich, Holland und Großbritannien führte, stirbt er ganz plötzlich 1937 in Aberdeen (Schottland)

 

Von seinen Kindern haben nur Alexandra und Kurt das Naziregime überlebt.

 

Kurt Adler hat nach der Begegnung mit den LehranalytikernInnen der LGIPA auf dem Internationalen Kongress für Individualpsychologie in Budapest (1993) die Aufnahme der kleinen Luxemburger Gesellschaft in die Internationale Gesellschaft schriftlich befürwortet und aktiv gefördert.