Individualpsychologische Verkehrspsychotherapie

14. 12. 03
posted by: LGIPA Administrator
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      C O P          COnduire en Partenaire

      A                 Contre l’Alcool sur la Route

S I R                  Substances Illégales sur la Route


CAR-COP-SIR sind drei spezifische psychotherapeutische Maßnahmen zur Straßenverkehrsrehabilitation von Wiederholungstätern in Luxemburg, die sowohl an der Persönlichkeit als auch dem verkehrswidrigen Verhalten ansetzen. Das Ziel dieser psychotherapeutischen Zusatzmaßnahme besteht darin,  bei einer Klientel, die wegen Persönlichkeitsstörungen, neurotischen Anpassungsstörungen resp. Belastungsstörungen oder erheblichem Substanzenmissbrauch gegenüber den angebotenen Sensibilisationsmaßnahmen resistent ist, trotzdem weitere Rückfälle durch kurative Interventionen zu verhindern.

 

Da Verkehrsverhalten als soziales Verhalten angesehen wird, wird die überwiegende Mehrzahl der 40 Stunden (16 mal 2,5 Stunden) über 6 Monate (bis maximal 9 Monate) in einer Kleingruppe zwischen 4 und 6 Personen absolviert. Dies ist zudem kostengünstiger für die Klienten (d.h. etwa ____ € pro Person; Dokumentation, Fragebögen und Testmaterial inbegriffen) und stellt eine Veränderung gegenüber dem ursprünglichen Modell von 1998 dar.

 

N.B.: Bei Gruppengrößen zwischen 8 und 12 Personen steigt erfahrungsgemäß der Bedarf an der kostenintensiveren komplementären Einzeltherapie vor Beendigung der Maßnahme.

 

Der Zugang zur Maßnahme erfolgt aus eigenem Antrieb, z.B. aufgrund der Erkenntnisse und Einsichten, die im Rahmen der Nachschulung oder  Rehabilitation am „Centre de Formation pour Conducteurs“ gewonnen wurden,  oder auf gerichtliche Anordnung resp. Empfehlung mit Rechtsfolge hin oder aber auf Anraten der Medizinischen Kommission des Transportministeriums. Die psychotherapeutisch angelegten CAR-COP-SIR-Maßnahmen dienen keinesfalls als Ersatz für die psychoedukativ-beratenden „Sensibilisationsgruppen“, die im Rahmen des Punkteführerscheins in Colmar-Berg organisiert werden.

 

Die Interventionsmethoden basieren auf der Individualpsychologie Alfred Adlers mit ihren Weiterentwicklungen, vor allem der Lebensstil-/Fokalanalyse (problem- oder störungszentrierte Persönlichkeitsanalyse in 25 Stunden) und der störungsspezifischen Selbstmanagementtherapie  (Anleitungs-/Übungsteil von 12,5 Stunden). Die ersten 2,5 Einzelstunden dienen dem Erstgespräch mit Indikationsstellung und der klinisch-psychologischen Differenzialdiagnostik (siehe Schema von Höcher und Nicolay).

 

Diese „Verkehrstherapie“ wird exklusiv angeboten von Klinischen Verkehrspsychologen und Verkehrspsychotherapeuten der LGIPA (A.s.b.l.).

 

N.B.: Bei Substanzmissbrauch oder Substanzabhängigkeit verpflichten sich die Klienten während der Rehabilitationszeit zu regelmäßigen Arztbesuchen bei einem Arzt ihrer Wahl. Der erste Arztbesuch hat vor Beginn der Gruppenarbeit stattzufinden. Bei bereits bestehender körperlicher Abhängigkeit geht der Entzug unter medizinischer Anleitung und Kontrolle prinzipiell der Maßnahme voraus. Die Arztbesuche und Kosten für die Laboranalysen o.ä. sind nicht im Preis der psychotherapeutischen Verkehrsrehabilitation enthalten.

 

Die ehemaligen Teilnehmer haben zudem die Möglichkeit, zwecks Stabilisierung und gegenseitiger Unterstützung kostenlos an der moderierten Selbsthilfegruppe „COPains CARe for you, SIR“ teilzunehmen.

 

CAR-COP-SIR sind von IVT-Hö (Köln), der ersten und erfolgreichsten europäischen „Verkehrstherapie“ mit Mehrfach-/Wiederholungstätern, erprobt worden. Der wissenschaftliche Beirat der IVT-Hö berät auch die LGIPA, was die kontinuierliche Evaluation und Optimierung der Maßnahmen anbelangt. Weitere Informationen dazu findet man unter www.lgipa.lu  sowie unter www.ivt-hoe.de .

 

In der hier vorgestellten Form kann die Maßnahme ab 2004, z.B. am „CFC“ in Colmar-Berg und/oder am „Institut für Psychologische Gesundheitsförderung; IPG“ in Bartringen statt finden.

 

Bartringen, im Dezember 2002

 

Dr. Lucien NICOLAY

Präsident der LGIPA

Klinischer Verkehrs-psychologe & Ver-kehrspsychotherapeut